
GDL-Ortsgruppe Bodensee-Neckar
So sollte es sein: Alle Fahrgäste tragen Masken im Zug. Immer häufiger passiert das jedoch nicht und das ist ein Problem.
Der Zugbegleiter kann sich zwar Unterstützung von der Bundespolizei holen. Das Problem dabei: Im Regionalverkehr muss man erst einmal einen Bahnhof finden, an dem es überhaupt noch Bundespolizisten gibt. Außerdem ist die Polizei selbst überlastet. Wartet der Zugbegleiter nun, bis die Polizei den Querulanten aus dem Zug verweist, kann dies zu großen Verspätungen im ohne hin eng gestrickten Fahrplan führen. Gibt er hingegen klein bei, frohlockt der penetrante Maskenverweigerer und Reisende sehen, wie wenig der Zugbegleiter gegen diesen ausrichten kann. Damit wird die Autorität der Zugbegleiter völlig untergraben.
Was ist zu tun? Gerade wenn wieder mehr Fahrgäste in den Zügen sind und die Corona Fälle zunehmen, muss die Maskenpflicht in den Zügen zur Eindämmung der Virenübertragung strikt eingehalten werden, gerade wenn der Mindestabstand zwischen den Reisenden nicht ausreicht. Fahrgäste schreckt es zudem immer wieder ab, wenn Maskenverweigerer im Zug sind, und sie steigen um aufs Auto.
Deshalb fordert die GDL, dass
• mehr Sicherheits- und Zugpersonal im Zug eingesetzt wird. Dadurch lässt sich schon so manch notorischer Maskenverweigerer abschrecken;
• die Maskenpflicht in die Beförderungsbedingungen und damit ins Hausrecht der Bahnen aufgenommen werden, wie das bei den österreichischen ÖBB gang und gäbe ist. Damit gewinnen die Zugbegleiter an Autorität;
• eine Reservierungspflicht in den Fernzügen eingeführt wird, damit die Reisendenströme kanalisiert und die Sicherheitsabstände gerade auf den langen Strecken besser eingehalten werden können;
• das Vorhaben der Ministerpräsidenten, die Zugbegleiter für die Einhaltung der Maskenpflicht in Zügen verantwortlich zu machen, nicht umgesetzt wird. Die Kollegen sind ohnehin zunehmend den Übergriffen ausgesetzt. Ihnen jetzt auch noch, wie geplant, die Ahndung von Verstößen mit der Erhebung eines Bußgeldes von mindestens 50 Euro aufzubürden, würde sie weiteren Gefährdungen aussetzen. Das ist für uns nicht hinnehmbar;
• die Führungskräfte endlich aus dem Homeoffice wieder in den realen Arbeitsalltag zurückkehren und als Verstärkung auf den Zügen eingesetzt werden sollen. So spüren sie die Probleme des Zugpersonals endlich am eigenen Leibe und können ihnen so tatsächlichen Rückhalt geben.
Die GDL wird nicht lockerlassen, sondern weiterhin dafür Sorge tragen, dass alle Maßnahmen zum Schutz der Fahrgäste und unserer Kollegen eingehalten und beachtet werden.
G. S.
GDL Magazin VORAUS | September 2020