
GDL-Ortsgruppe Bodensee-Neckar
In unserer schnelllebigen Zeit richten wir den Blick meist auf die Gegenwart und Zukunft. Oftmals hilft jedoch ein Blick zurück, um die Dinge richtig einzuordnen und zu verstehen. In unserer Serie „Kalenderblatt" widmen wir uns Ereignissen unserer Geschichte, die uns nachhaltig geprägt haben — so informativ wie ein Lexikon, so spannend wie das Leben. Was geschah vor 245 Jahren
Die Entwicklung der Weichen begann wahrscheinlich vor 245 Jahren im Kohlebergbau im englischen Sheffeld. Der Erfinder John Curr (1756-1823) führte im Oktober 1776 erstmals die gusseisernen Winkelschienenweichen ein. Das genaue Datum ist jedoch strittig. Der Begriff Weiche leitet sich übrigens von ausweichen und nicht von weich ab. Er wurde ursprünglich für eine Ausweichstelle in der Flussschifffahrt verwendet. Die Weichen wurden zu Beginn von Menschen oder Tieren in die gewünschte Richtung gezogen und erlaubten es, zwischen unterschiedlichen Gleisen ohne Unterbrechung der Fahrt zu wechseln. Das unter scheidet Weichen auch von anderen Sonderkonstruktionen, wie zum Beispiel Schiebebühnen oder Drehscheiben. Über die ersten Winkelschienenweichen konnten auch Fahrzeuge mit normalen Rädern fahren und waren somit nicht allein auf die Schienenführung angewiesen. Curr war als Manager 20 Jahre in den Zechen des Herzogs von Norfolk tätig. Er hat neben den Winkelschienenweichen eine ganze Reihe von weiteren Innovationen auf den Weg gebracht, die wesentlich zur Entwicklung des Kohlebergbaus und der Eisenbahnen beigetragen haben und so die harte Arbeit in den Bergwerken erleichtert hatten. So beschrieb der Vater von acht Kindern im Jahre 1797 erstmals eine Konstruktion mit einer verstellbaren Zunge, die heute noch die Basis für die verbreitete Zungenweiche ist. Die Weichen haben sich seither gravierend weiterentwickelt und konnten immer schneller befahren werden. Die bislang schnellste Fahrt über eine Weiche liegt allerdings schon fast ein Vierteljahrhundert zurück. Sie liegt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke „LGV Est européenne" in Frankreich, die Paris mit Ostfrankreich verbindet. Die Rekordfahrt V150 fand am 3. April 2007 mit 560 Stundenkilometern statt.
G.S.